Frühwarnsysteme erklärt — DWD, GeoSphere Austria und MeteoSchweiz

Unwetterwarnungen retten Leben und schützen Eigentum. In Deutschland, Österreich und der Schweiz betreiben staatliche Wetterdienste umfassende Frühwarnsysteme, die die Bevölkerung rechtzeitig vor gefährlichem Wetter warnen. Doch Warnstufen, Farbcodes und Formulierungen sind nicht immer leicht zu verstehen. Dieser Ratgeber erklärt, wie die Warnsysteme im DACH-Raum funktionieren und wie man die Informationen richtig deutet.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD)

Der Deutsche Wetterdienst ist die zentrale meteorologische Behörde Deutschlands mit Sitz in Offenbach am Main. Er gibt Wetterwarnungen in vier Stufen heraus, die jeweils durch Farben gekennzeichnet sind. Stufe eins ist gelb und signalisiert eine Wetterwarnung: Es treten Wettererscheinungen auf, die zu geringen Gefahren führen können, etwa starker Wind oder leichter Frost. Stufe zwei ist orange und steht für eine markante Wetterwarnung, beispielsweise bei Dauerregen, Sturmböen oder starkem Schneefall. Stufe drei ist rot und bedeutet eine Unwetterwarnung mit erheblichen Gefahren wie schwerem Gewitter, Orkanböen oder extremem Starkregen. Die höchste Stufe vier ist violett und wird nur bei extremen Unwetterereignissen ausgegeben, die historisch selten auftreten und katastrophale Auswirkungen haben können. Solche Warnungen kommen nur wenige Male pro Jahr vor und erfordern sofortige Schutzmaßnahmen. Der DWD warnt vor Gewitter, Sturm, Starkregen, Schneefall, Glatteis, Frost, Hitze und UV-Strahlung.

GeoSphere Austria

In Österreich ist die GeoSphere Austria, hervorgegangen aus der Fusion von ZAMG und Geologischer Bundesanstalt, für die Wetterwarnung zuständig. Das Warnsystem verwendet ebenfalls ein vierstufiges Farbschema: Gelb für mögliche Gefahren, Orange für erhöhte Gefahren, Rot für große Gefahren und Violett für extreme Gefahren. Ein Unterschied zum DWD besteht in der stärkeren regionalen Differenzierung, die der alpinen Topografie Rechnung trägt. Warnungen werden für einzelne Bezirke und Höhenlagen ausgegeben, da sich die Wetterbedingungen in den Alpen auf kleinem Raum stark unterscheiden können. GeoSphere Austria betreibt ein dichtes Netz aus Wetterstationen, Radaranlagen und Blitzortungssystemen, das besonders für die Erkennung von Gewittern und Starkniederschlägen in den Bergen wichtig ist. Für Lawinenwarnungen arbeitet GeoSphere Austria eng mit den Lawinenwarndiensten der Bundesländer zusammen. Die Lawinenwarnstufen sind unabhängig vom Wetterwarnsystem und verwenden eine eigene fünfstufige Skala.

MeteoSchweiz

MeteoSchweiz, das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie der Schweiz, gibt Naturgefahrenwarnungen für das gesamte Schweizer Gebiet heraus. Das Warnsystem verwendet fünf Stufen: Stufe eins ist grün und bedeutet keine oder geringe Gefahr. Stufe zwei ist gelb für mäßige Gefahr, Stufe drei orange für erhebliche Gefahr, Stufe vier rot für große Gefahr und Stufe fünf dunkelrot für sehr große Gefahr. Die Warnungen werden auf der Naturgefahrenplattform gebündelt, die neben Wetterwarnungen auch Informationen zu Hochwasser, Waldbrand und Lawinen aus verschiedenen Bundesämtern zusammenführt. Die Schweizer Warnungen zeichnen sich durch eine besonders hohe räumliche Auflösung aus, die den unterschiedlichen Bedingungen zwischen Tal und Gipfel, Nord- und Südseite der Alpen gerecht wird. MeteoSchweiz gibt zusätzlich spezielle Warnungen für die Luftfahrt und die Schifffahrt auf den Schweizer Seen heraus, darunter die bekannten Sturmwarnlichter an den großen Seen.

Warnstufen und Farbcodes richtig lesen

Obwohl alle drei Wetterdienste ein farbbasiertes System verwenden, unterscheiden sich die Schwellenwerte und die Anzahl der Stufen. Bei einer gelben Warnung ist erhöhte Aufmerksamkeit geboten, aber es besteht in der Regel keine akute Gefahr für Leib und Leben. Orange Warnungen fordern dazu auf, Vorbereitungen zu treffen und Aktivitäten im Freien zu überdenken. Bei roten Warnungen sollten Aufenthalte im Freien auf das Nötigste beschränkt und alle Schutzmaßnahmen getroffen werden. Die höchste Warnstufe erfordert maximale Vorsicht und das Befolgen behördlicher Anweisungen, die auch Evakuierungen umfassen können. Wichtig ist zu verstehen, dass die Warnstufen sich auf die erwartete Gefährdung beziehen, nicht nur auf die Wetterwerte. Ein starker Sturm in einer dünn besiedelten Gegend kann eine niedrigere Warnstufe erhalten als ein mäßiger Sturm in einem dicht besiedelten Gebiet, wenn dort die Schäden voraussichtlich größer sind.

Warn-Apps und Informationskanäle

Moderne Technik ermöglicht es, Wetterwarnungen in Echtzeit zu erhalten. In Deutschland ist die DWD-App WarnWetter die offizielle Quelle für Wetterwarnungen. Die App NINA des Bundesamts für Bevölkerungsschutz bündelt Warnungen aus verschiedenen Quellen, darunter auch Wetterwarnungen. In Österreich informiert die GeoSphere Austria App über aktuelle Warnungen, und in der Schweiz bietet die MeteoSchweiz App Naturgefahrenwarnungen. Seit 2022 wird in Deutschland auch Cell Broadcast eingesetzt, das Warnmeldungen direkt an alle Mobiltelefone in einem bestimmten Gebiet senden kann, ohne dass eine App installiert sein muss. Für die Küstenregionen gibt es zusätzlich Sturmflutwarnungen über Sirenen und Rundfunkdurchsagen. Radio und Fernsehen bleiben wichtige Warnkanäle, da sie auch bei Strom- und Internetausfall über batteriebtriebene Geräte empfangbar sind.

Warnungen in den Alltag integrieren

Wetterwarnungen sind nur dann nützlich, wenn man sie beachtet und weiß, wie man reagiert. Es empfiehlt sich, mindestens eine Warn-App installiert zu haben und die Push-Benachrichtigungen für den eigenen Standort zu aktivieren. Bei einer Warnung sollte man zuerst den genauen Zeitraum und das betroffene Gebiet prüfen, denn Warnungen sind zeitlich und räumlich begrenzt. Dann sollte man die empfohlenen Verhaltenshinweise lesen, die jeder Warnung beigefügt sind. Diese reichen von einfachen Maßnahmen wie dem Sichern von Gartenmöbeln bis hin zu dringenden Aufforderungen, Schutzräume aufzusuchen. Für Berufspendler lohnt es sich, morgens die aktuelle Warnlage zu prüfen, da Unwetter den Verkehr erheblich beeinträchtigen können. Schulen und Arbeitgeber informieren in der Regel bei extremen Warnungen über besondere Maßnahmen. Die eigenverantwortliche Information über die aktuelle Warnlage ist der wichtigste Schritt, um sich und seine Familie bei gefährlichem Wetter zu schützen.