Wetter und Gesundheit — wie das Wetter unseren Körper beeinflusst
Viele Menschen in Deutschland spüren den Einfluss des Wetters auf ihr Wohlbefinden. Kopfschmerzen bei Föhn, müde Glieder vor einem Wetterumschwung oder Kreislaufprobleme bei Hitze — die sogenannte Wetterfühligkeit betrifft nach Umfragen des Deutschen Wetterdienstes etwa die Hälfte der Bevölkerung. Doch was steckt medizinisch dahinter, und wie kann man gegensteuern?
Was ist Wetterfühligkeit?
Wetterfühligkeit, im Deutschen auch als Meteoropathie oder Meteorosensitivität bezeichnet, beschreibt körperliche und psychische Reaktionen auf Wetterveränderungen. Der Deutsche Wetterdienst unterscheidet zwischen Wetterfühligkeit im engeren Sinn, bei der gesunde Menschen auf Wetterlagen reagieren, und Wetterempfindlichkeit, bei der bestehende Erkrankungen durch das Wetter verschlimmert werden. Typische Auslöser sind schnelle Temperaturwechsel, Föhnlagen, herannahende Tiefdruckgebiete und hohe Luftfeuchtigkeit. Der Körper muss sich ständig an die wechselnden Bedingungen anpassen, was das vegetative Nervensystem belastet.
Migräne und Kopfschmerzen
Wetterumschwünge gehören zu den häufigsten Migräneauslösern. Studien der Universität München haben gezeigt, dass der Durchzug von Warm- und Kaltfronten die Häufigkeit von Migräneattacken um bis zu 20 Prozent steigern kann. Besonders der Föhn in den Alpenregionen Bayerns und Österreichs ist als Kopfschmerzauslöser bekannt. Dabei spielen rasche Luftdruckänderungen eine Rolle, die das Gleichgewicht der Neurotransmitter im Gehirn beeinflussen können. Betroffene berichten häufig über Beschwerden ein bis zwei Tage vor dem eigentlichen Wetterumschwung. Ein Kopfschmerztagebuch, in dem auch Wetterdaten notiert werden, hilft bei der Identifikation individueller Muster.
Gelenkschmerzen und rheumatische Beschwerden
Menschen mit Arthrose, Rheuma oder anderen Gelenkerkrankungen berichten häufig über verstärkte Schmerzen bei fallendem Luftdruck und steigender Luftfeuchtigkeit. Forschungen der Berliner Charité bestätigen, dass Wetterveränderungen die Schmerzwahrnehmung beeinflussen können. Eine Erklärung ist, dass bei sinkendem Luftdruck das Gewebe in und um die Gelenke leicht anschwillt und so die empfindlichen Schmerzrezeptoren gereizt werden. Kälte und Nässe verschlechtern zudem die Durchblutung der Gelenke. Regelmäßige Bewegung, warme Kleidung und sanfte Dehnübungen können die wetterbedingten Beschwerden lindern.
Kreislauf und Herz-Kreislauf-System
Das Herz-Kreislauf-System reagiert empfindlich auf extreme Temperaturen. Bei Hitze erweitern sich die Blutgefäße, der Blutdruck sinkt, und Schwindel oder Schwächegefühl können auftreten. Bei plötzlicher Kälte verengen sich die Gefäße, was den Blutdruck steigen lässt und das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle erhöht. Studien des Robert Koch-Instituts zeigen, dass die Sterblichkeit an Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Deutschland während Kältewellen und Hitzewellen signifikant ansteigt. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Personen mit Bluthochdruck und Herzpatienten. Ausreichend Flüssigkeit bei Hitze und langsame Temperaturanpassung sind wichtige Schutzmaßnahmen.
Psychische Auswirkungen des Wetters
Lichtmangel in den Wintermonaten beeinflusst die Produktion von Serotonin und Melatonin und kann zu saisonalen depressiven Verstimmungen führen. In Deutschland erhalten die nördlichen Regionen im Dezember nur sechs bis sieben Stunden Tageslicht. Lichttherapie mit speziellen Tageslichtlampen ab 10 000 Lux kann die Symptome lindern. Auch Föhnlagen und schwüle Wetterperioden im Sommer werden mit erhöhter Reizbarkeit und Konzentrationsproblemen in Verbindung gebracht. Regelmäßiger Aufenthalt im Freien, auch bei bewölktem Himmel, und körperliche Aktivität helfen dem Körper, sich besser an Wetterwechsel anzupassen.
Tipps für wetterfühlige Menschen
Wer unter Wetterfühligkeit leidet, kann mit einfachen Maßnahmen gegensteuern. Regelmäßige Saunagänge und Wechselduschen trainieren die Anpassungsfähigkeit der Blutgefäße. Ausdauersport an der frischen Luft stärkt das Herz-Kreislauf-System und das vegetative Nervensystem. Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Magnesium und B-Vitaminen unterstützt die Nervenfunktion. Ausreichend Schlaf und ein geregelter Tagesrhythmus helfen dem Körper, mit Wetterbelastungen umzugehen. Der Deutsche Wetterdienst veröffentlicht täglich einen Biowetter-Bericht, der wetterfühligen Menschen hilft, sich auf belastende Wetterlagen einzustellen und ihren Tag entsprechend zu planen.