Gewitter-Sicherheit — richtig verhalten bei Blitz und Donner
Gewitter gehören zu den gefährlichsten Wetterphänomenen in Deutschland. Jedes Jahr werden mehrere Menschen durch Blitzeinschläge verletzt oder getötet. Wer die Gefahren kennt und sich richtig verhält, kann das Risiko erheblich senken. Dieser Ratgeber erklärt die wichtigsten Sicherheitsregeln für verschiedene Situationen.
Gewitter in Deutschland
In Deutschland treten pro Jahr durchschnittlich 20 bis 30 Gewittertage auf, wobei die meisten zwischen Mai und September stattfinden. Die häufigsten Gewitterregionen liegen im Süden, besonders am Alpenrand und im Schwarzwald. In Süddeutschland werden jährlich bis zu 40 Gewittertage registriert, während die Küstenregionen im Norden deutlich weniger betroffen sind. Die stärksten Gewitter entwickeln sich oft am Nachmittag, wenn die Sonneneinstrahlung die Luft maximal aufgeheizt hat.
Warnsignale erkennen
Ein herannahendes Gewitter kündigt sich durch mehrere Anzeichen an. Mächtige Quellwolken, die schnell in die Höhe wachsen, sind ein deutliches Warnsignal. Dunkle, kupferfarbene Wolkentürme und ein plötzlicher Temperaturabfall deuten auf eine nahende Gewitterfront hin. Die Entfernung eines Gewitters lässt sich grob abschätzen, indem man die Sekunden zwischen Blitz und Donner zählt und durch drei teilt. Das Ergebnis entspricht etwa der Entfernung in Kilometern. Bei weniger als zehn Sekunden Abstand befindet sich das Gewitter in unmittelbarer Nähe.
Verhalten im Freien
Wer sich bei Gewitter im Freien befindet, sollte sofort ein festes Gebäude oder ein Auto mit geschlossener Metallkarosserie aufsuchen. Einzeln stehende Bäume sind lebensgefährlich, denn der Spruch, dass Buchen zu suchen und Eichen zu weichen seien, ist ein gefährlicher Irrtum. Jeder Baum kann vom Blitz getroffen werden. Offene Unterstände, Zelte und Schirme bieten keinen Schutz. Wer keine Unterkunft findet, sollte sich in eine Mulde oder Vertiefung hocken, die Füße eng zusammenstellen und die Arme um die Knie legen. Flach auf den Boden legen ist falsch, da die Schrittspannung bei einem Blitzeinschlag in der Nähe so maximiert wird.
Verhalten am Wasser
Gewässer sind bei Gewitter besonders gefährlich. Schwimmer, Angler und Bootfahrer sollten das Wasser sofort verlassen, sobald sich ein Gewitter nähert. Wasser leitet den Blitzstrom über weite Strecken, und bereits ein Einschlag in mehreren hundert Metern Entfernung kann tödlich sein. An der Nord- und Ostsee sowie an den bayerischen Seen gehören Gewitterwarnungen zum sommerlichen Alltag. Segler und Surfer sollten die Wettervorhersage vor jeder Tour prüfen.
Verhalten in Gebäuden
In Gebäuden mit Blitzschutzanlage ist man sicher. Dennoch sollte der Kontakt mit Wasser vermieden werden, also nicht duschen oder baden während des Gewitters. Fenster und Türen sollten geschlossen bleiben. Steckergeräte können durch Überspannung beschädigt werden, weshalb empfindliche Elektronik bei nahen Gewittern vom Netz getrennt werden sollte. Moderne Blitzschutzanlagen leiten den Strom sicher in die Erde ab, doch ältere Gebäude ohne Schutzanlage bieten weniger Sicherheit.
Verhalten im Auto
Ein geschlossenes Auto mit Metallkarosserie wirkt als Faradayscher Käfig und bietet guten Schutz. Der Blitz wird über die Karosserie um die Insassen herumgeleitet und über die Reifen in den Boden abgeleitet. Cabrios mit Stoffverdeck und Fahrzeuge mit Kunststoffkarosserie bieten diesen Schutz nicht. Während des Gewitters sollte man das Auto am Straßenrand abstellen und den Motor abstellen, besonders bei eingeschränkter Sicht durch Starkregen.
Erste Hilfe bei Blitzschlag
Vom Blitz getroffene Personen stehen nicht unter Strom und können sofort berührt und behandelt werden. Häufigste Folge ist ein Herz-Kreislauf-Stillstand, weshalb sofortige Herzdruckmassage und Beatmung lebensrettend sein können. Der Notruf 112 muss umgehend gewählt werden. Auch bei scheinbar leichten Symptomen wie Benommenheit oder Taubheit sollte ärztliche Hilfe gesucht werden, da Spätfolgen auftreten können.