Winterfahren und Wetter — Tipps für Autofahrer
Winterliches Wetter stellt Autofahrer in Deutschland jedes Jahr vor besondere Herausforderungen. Glatteis, Schneefall und eingeschränkte Sicht fordern erhöhte Aufmerksamkeit und angepasstes Fahrverhalten. Wer gut vorbereitet ist und die Wetterbedingungen richtig einschätzt, kommt sicher durch die kalte Jahreszeit.
Winterreifenpflicht in Deutschland
In Deutschland gilt eine situative Winterreifenpflicht. Das bedeutet, dass bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eisglätte oder Reifglätte nur mit Winterreifen gefahren werden darf. Diese müssen das Alpine-Symbol tragen, eine Bergspitze mit Schneeflocke. Die Mindestprofiltiefe beträgt gesetzlich 1,6 Millimeter, Experten empfehlen jedoch mindestens 4 Millimeter für zuverlässigen Grip auf Schnee. Wer bei winterlichen Straßenverhältnissen mit Sommerreifen fährt, riskiert ein Bußgeld und gefährdet sich und andere.
Glatteis und Blitzeis
Glatteis entsteht, wenn Regen auf gefrorenen Boden fällt, oder wenn die Straßentemperatur unter den Gefrierpunkt sinkt und Restfeuchtigkeit gefriert. Besonders gefährlich ist Blitzeis, das sich innerhalb weniger Minuten bildet und kaum sichtbar ist. Brücken, Waldschneisen und Senken frieren zuerst ein, da sie sich schneller abkühlen als die umgebende Fahrbahn. Bei der Wettervorhersage sollte man nicht nur die Lufttemperatur beachten, sondern auch die Bodentemperatur, die häufig mehrere Grad niedriger liegt. Schon bei Lufttemperaturen knapp über dem Gefrierpunkt kann die Fahrbahn stellenweise überfroren sein.
Fahren bei Schneefall
Bei einsetzendem Schneefall sollte die Geschwindigkeit deutlich reduziert werden. Auf der Autobahn empfehlen Experten bei Schnee maximal 80 km/h, auf Landstraßen nicht mehr als 50 km/h. Der Bremsweg auf Schnee verdoppelt sich gegenüber trockener Fahrbahn, auf Eis kann er sich verzehnfachen. Abrupte Lenk- und Bremsmanöver sind zu vermeiden. Sanftes Bremsen und vorausschauendes Fahren mit großem Sicherheitsabstand sind entscheidend. In Steigungen sollte man möglichst im zweiten Gang anfahren, um das Durchdrehen der Räder zu verhindern.
Schneeketten
In den deutschen Alpen und Mittelgebirgen können Schneeketten bei starkem Schneefall vorgeschrieben sein. Das Verkehrszeichen 268 ordnet die Schneekettenpflicht an. Schneeketten werden auf die Antriebsräder montiert und die Höchstgeschwindigkeit beträgt dann 50 km/h. Es empfiehlt sich, das Anlegen vor dem Winter zu üben, da es bei Kälte und Nässe deutlich schwieriger ist. Wer regelmäßig in Bergregionen fährt, sollte stets Schneeketten im Kofferraum haben.
Sicht und Beleuchtung
Eingeschränkte Sicht durch Schneetreiben, Nebel oder frühe Dunkelheit ist eine der größten Wintergefahren. Alle Scheiben müssen vollständig frei sein, bevor losgefahren wird. Das Freikratzen eines kleinen Sichtfelds ist nicht nur gefährlich, sondern auch bußgeldbewehrt. Schnee auf dem Dach muss ebenfalls entfernt werden, da er beim Bremsen auf die Windschutzscheibe rutschen oder nachfolgende Fahrzeuge gefährden kann. Die Scheinwerfer sollten regelmäßig von Schnee und Schmutz gereinigt werden.
Autobahn im Winter
Auf deutschen Autobahnen werden die Hauptspuren bei Schneefall und Glätte vom Winterdienst geräumt und gestreut. Dennoch können Auffahrten, Standstreifen und weniger befahrene Abschnitte gefährlich glatt sein. Bei Stau auf winterlicher Autobahn sollte man genügend Abstand zum Vordermann halten, um notfalls ausweichen zu können. Eine Decke, warme Kleidung, eine Taschenlampe und ausreichend Kraftstoff gehören zur Winterausrüstung, falls man längere Zeit im Stau stehen muss.
Wettervorhersage für Fahrten nutzen
Vor längeren Fahrten im Winter sollte die Wettervorhersage entlang der geplanten Route geprüft werden. Der Deutsche Wetterdienst gibt spezielle Straßenwetterwarnungen heraus, die über Glatteisgefahren, Schneefall und Sturm informieren. Verkehrsnachrichten und Staumelder ergänzen das Bild. Bei extremen Wetterwarnungen der Stufe Rot sollte die Fahrt nach Möglichkeit verschoben werden. Besser eine Stunde später ankommen als gar nicht.