Luftqualität verstehen: AQI, Feinstaub und Gesundheit

Die Luftqualität beeinflusst unsere Gesundheit jeden Tag, auch wenn wir die Schadstoffe meist weder sehen noch riechen. In Deutschland hat sich die Luftqualität in den letzten Jahrzehnten zwar deutlich verbessert, doch Feinstaub, Stickoxide und Ozon überschreiten noch immer regelmäßig die Grenzwerte. Dieser Ratgeber erklärt die wichtigsten Kennzahlen, Schadstoffe und gesundheitlichen Zusammenhänge und gibt praktische Empfehlungen für den Alltag.

Der Luftqualitätsindex AQI

Der Air Quality Index, kurz AQI, fasst die Belastung durch verschiedene Schadstoffe in einer einzigen Zahl zusammen. In Europa wird der Common Air Quality Index auf einer Skala von eins bis fünf verwendet: eins steht für sehr gute, fünf für sehr schlechte Luftqualität. International verbreitet ist der US-amerikanische AQI mit einer Skala von null bis 500, wobei Werte über 100 als ungesund gelten. Der Index berücksichtigt die Konzentrationen von Feinstaub PM2.5 und PM10, bodennahem Ozon, Stickstoffdioxid und Schwefeldioxid. Der jeweils schlechteste Einzelwert bestimmt den Gesamtindex. Ein AQI-Wert von 50 bedeutet saubere Luft, ab 100 können empfindliche Personengruppen Beschwerden spüren, ab 150 ist die Belastung für alle Menschen relevant, und ab 200 gilt die Luft als sehr ungesund.

Feinstaub: PM2.5 und PM10

Feinstaub bezeichnet winzige Partikel in der Luft, die nach ihrer Größe unterschieden werden. PM10 umfasst Partikel mit einem Durchmesser bis zehn Mikrometer, PM2.5 solche bis 2,5 Mikrometer. PM2.5 ist besonders gefährlich, weil diese Partikel tief in die Lungenbläschen eindringen und dort Entzündungen auslösen. Langfristige Belastung mit Feinstaub erhöht das Risiko für Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt seit 2021 einen Jahresmittelwert von maximal fünf Mikrogramm PM2.5 pro Kubikmeter Luft. In deutschen Städten liegen die Jahresmittelwerte typischerweise zwischen acht und fünfzehn Mikrogramm, also deutlich über der Empfehlung. Hauptquellen sind der Straßenverkehr, Heizungen insbesondere Holzfeuerungen, Industriebetriebe und die Landwirtschaft. An viel befahrenen Straßen liegt die Belastung höher als in Wohngebieten, und erdgeschossige Wohnungen sind stärker betroffen als obere Stockwerke.

Ozon: Das Problem des Sommers

Bodennahes Ozon entsteht nicht direkt durch Emissionen, sondern durch chemische Reaktionen von Stickoxiden und flüchtigen organischen Verbindungen unter Einfluss von Sonnenstrahlung. Deshalb sind die Ozonwerte im Sommer an sonnigen, heißen Tagen am höchsten. Die Spitzenwerte treten typischerweise am Nachmittag auf, während die Konzentration nachts und am frühen Morgen niedrig ist. Bei Werten über 180 Mikrogramm pro Kubikmeter spricht der Deutsche Wetterdienst eine Ozon-Information aus, ab 240 Mikrogramm eine Warnung. Empfindliche Personen sollten bei hohen Ozonwerten intensive körperliche Anstrengung im Freien vermeiden, insbesondere zwischen zwölf und 18 Uhr. Paradoxerweise sind die Ozonwerte in ländlichen Gebieten oft höher als in der Stadt, weil in Städten die Stickoxide das Ozon teilweise wieder abbauen.

Saisonale Muster und Sonderereignisse

Die Luftqualität folgt einem jahreszeitlichen Rhythmus. Im Winter verschlechtern Heizungsemissionen und stabile Hochdrucklagen mit Inversionen die Luft. Die kalte, schwere Luft am Boden wird durch eine warme Schicht in der Höhe eingeschlossen, und die Schadstoffe sammeln sich in der bodennahen Luftschicht an. Besonders in Tälern und Beckenlagen kann die Feinstaubbelastung im Winter an solchen Inversionstagen auf das Drei- bis Fünffache der Normalwerte steigen. Im Frühjahr erreicht gelegentlich Saharastaub Mitteleuropa. Diese Staubereignisse heben die PM10-Werte manchmal auf über 100 Mikrogramm pro Kubikmeter und sind als gelblich-bräunlicher Schleier am Himmel sichtbar. Der Staub selbst ist gesundheitlich weniger bedenklich als Verbrennungsfeinstaub, kann aber bei Asthmatikern Beschwerden auslösen. Im Sommer stehen Ozon und bei Waldbränden in Südeuropa auch Rauchpartikel im Vordergrund.

Gesundheitsempfehlungen nach AQI-Stufen

Bei guter Luftqualität mit einem AQI unter 50 gibt es keine Einschränkungen. Alle Aktivitäten im Freien sind bedenkenlos möglich. Bei mäßiger Qualität mit Werten zwischen 50 und 100 sollten Menschen mit Atemwegserkrankungen auf ungewöhnliche Symptome achten. Ab einem AQI von 100 wird empfindlichen Gruppen empfohlen, längere Anstrengung im Freien zu reduzieren. Dazu zählen Menschen mit Asthma, chronischer Bronchitis, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, ältere Menschen und Kinder. Ab einem AQI von 150 sollte jeder unnötige Aufenthalte im Freien einschränken und körperliche Belastung vermeiden. Bei extremen Werten über 200, die in Deutschland selten, aber bei Sonderereignissen möglich sind, gilt der Rat, Fenster und Türen geschlossen zu halten und nur mit Luftreiniger zu lüften.

Schutzmaßnahmen im Alltag

Die einfachste Maßnahme ist, an Tagen mit schlechter Luftqualität die Aktivitäten nach drinnen zu verlegen oder in die Morgen- und Abendstunden auszuweichen. In der Wohnung hilft regelmäßiges, aber gezieltes Lüften: Im Sommer morgens, wenn die Ozonwerte niedrig sind, im Winter bei Durchzug statt Dauerkippen. Luftreiniger mit HEPA-Filtern können die Feinstaubbelastung in Innenräumen um 50 bis 80 Prozent senken. Für Radfahrer und Fußgänger empfiehlt es sich, stark befahrene Straßen zu meiden und auf Nebenstraßen oder durch Parks auszuweichen, wo die Feinstaubbelastung deutlich geringer ist. Wetter-Apps mit Luftqualitätsdaten helfen, den Tag entsprechend zu planen und die Belastung gering zu halten.