Hitze und Gesundheit — Schutz vor Hitzewellen und Sonnenstich
Hitzewellen treten in Deutschland, Österreich und der Schweiz immer häufiger auf. Temperaturen über 35 Grad Celsius stellen eine ernsthafte Belastung für den menschlichen Körper dar und können lebensbedrohlich werden. Die Hitzesommer der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass Hitze zu den tödlichsten Wetterphänomenen in Mitteleuropa zählt. Wer die Gefahren kennt und richtig vorsorgt, kann sich und andere wirksam schützen.
Wie Hitze den Körper belastet
Der menschliche Körper hält seine Kerntemperatur bei etwa 37 Grad Celsius. Bei hohen Außentemperaturen aktiviert der Organismus Kühlmechanismen: Die Blutgefäße in der Haut weiten sich, und die Schweißproduktion steigt. Durch die Verdunstung von Schweiß auf der Haut wird Wärme abgegeben. Dieser Mechanismus funktioniert jedoch nur bei ausreichender Flüssigkeitszufuhr und lässt bei hoher Luftfeuchtigkeit nach, da der Schweiß dann schlechter verdunstet. Schwüle Hitze mit Temperaturen über dreißig Grad und einer relativen Luftfeuchtigkeit über sechzig Prozent belastet den Körper stärker als trockene Hitze bei gleicher Temperatur. Das Herz-Kreislauf-System arbeitet bei Hitze auf Hochtouren, da das Blut verstärkt in die Hautoberfläche geleitet wird. Dadurch steigt die Herzfrequenz, und der Blutdruck kann abfallen, was Schwindel und Schwächegefühle auslöst.
Hitzschlag und Sonnenstich erkennen
Ein Hitzschlag ist ein medizinischer Notfall. Er tritt auf, wenn die Körpertemperatur auf über vierzig Grad steigt und die körpereigene Temperaturregulation versagt. Typische Symptome sind heiße, trockene und gerötete Haut, Verwirrtheit, Bewusstlosigkeit und das Ausbleiben der Schweißproduktion trotz extremer Hitze. Ohne sofortige Behandlung kann ein Hitzschlag tödlich enden. Erste Hilfe besteht darin, die betroffene Person in den Schatten zu bringen, mit feuchten Tüchern zu kühlen und umgehend den Rettungsdienst zu rufen. Der Sonnenstich betrifft vor allem den Kopf und entsteht durch direkte Sonneneinstrahlung auf den ungeschützten Kopf. Symptome sind starke Kopfschmerzen, Übelkeit, ein hochroter und heißer Kopf bei ansonsten normaler Körpertemperatur sowie Nackensteifigkeit. Eine Hitzeerschöpfung ist die Vorstufe zum Hitzschlag und äußert sich durch starkes Schwitzen, Blässe, Übelkeit, Muskelkrämpfe und Erschöpfung.
Risikogruppen besonders schützen
Bestimmte Personengruppen sind bei Hitze besonders gefährdet. Ältere Menschen über 65 Jahren haben eine eingeschränkte Temperaturregulation und ein vermindertes Durstgefühl, wodurch sie schneller dehydrieren. Säuglinge und Kleinkinder können ihre Körpertemperatur noch nicht effektiv regulieren und sind auf die Fürsorge Erwachsener angewiesen. Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Problemen, Diabetes oder Nierenerkrankungen reagieren empfindlicher auf Hitze. Auch bestimmte Medikamente wie Entwässerungsmittel, Betablocker und Psychopharmaka können die Hitzetoleranz verringern. Personen, die körperlich schwer arbeiten oder Sport im Freien treiben, setzen sich ebenfalls einem erhöhten Risiko aus. In Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern werden bei Hitze spezielle Maßnahmen ergriffen, um die besonders gefährdeten Bewohner zu schützen.
Richtig trinken bei Hitze
An heißen Tagen verliert der Körper durch Schwitzen bis zu zwei Liter Flüssigkeit pro Stunde. Erwachsene sollten bei Hitze mindestens zwei bis drei Liter pro Tag trinken, bei körperlicher Aktivität entsprechend mehr. Ideal sind Wasser, ungesüßte Kräutertees und verdünnte Fruchtsäfte. Eiskalte Getränke sind weniger geeignet, da der Körper Energie aufwenden muss, um sie auf Körpertemperatur zu bringen, was kurzfristig zusätzliches Schwitzen auslöst. Alkohol und stark koffeinhaltige Getränke wirken entwässernd und sollten bei Hitze gemieden werden. Ein einfacher Test für den Flüssigkeitshaushalt ist die Farbe des Urins: Hellgelb deutet auf ausreichende Hydratation hin, dunkelgelb signalisiert Flüssigkeitsmangel. Auch die Ernährung spielt eine Rolle. Wasserreiche Lebensmittel wie Gurken, Wassermelonen, Tomaten und Salat unterstützen die Flüssigkeitsversorgung.
Die Wohnung kühl halten
In einer aufgeheizten Wohnung kann die Nachtruhe empfindlich gestört werden, was die Belastung über mehrere Hitzetage kumuliert. Effektives Lüften ist der wichtigste Hebel: Fenster sollten nur in den kühlen Nacht- und frühen Morgenstunden geöffnet und tagsüber geschlossen bleiben. Außenliegende Rollläden und Jalousien blockieren bis zu fünfundsiebzig Prozent der Sonnenwärme, während innenliegende Vorhänge deutlich weniger wirksam sind. Ventilatoren erzeugen Luftbewegung und verbessern die Verdunstungskühlung auf der Haut, senken jedoch nicht die Raumtemperatur. Ein feuchtes Handtuch vor dem Ventilator verstärkt den Kühleffekt. Wer keine Klimaanlage besitzt, kann kühle Orte wie Einkaufszentren, Bibliotheken oder klimatisierte öffentliche Gebäude aufsuchen, um dem Körper Erholungsphasen zu ermöglichen.
Verhalten im Freien an Hitzetagen
An Tagen mit Temperaturen über dreißig Grad sollten körperliche Aktivitäten in die Morgen- oder Abendstunden verlegt werden. Die intensive Mittagssonne zwischen elf und fünfzehn Uhr sollte möglichst gemieden werden. Helle, weite Kleidung aus natürlichen Materialien wie Baumwolle oder Leinen lässt Luft zirkulieren und reflektiert die Sonnenstrahlung besser als dunkle Kleidung. Eine Kopfbedeckung schützt vor Sonnenstich, und Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor verhindert Sonnenbrand. Kinder sollten niemals in einem geparkten Auto zurückgelassen werden, da sich der Innenraum innerhalb von fünfzehn Minuten auf über sechzig Grad aufheizen kann. Hitzeaktionspläne vieler Städte informieren über Trinkwasserbrunnen, kühle Aufenthaltsorte und Notfallnummern.