Herbststürme in Deutschland — Ursachen, Vorbereitung und Schutz

Zwischen Oktober und Dezember erreichen die stärksten Stürme des Jahres Mitteleuropa. Herbststürme entstehen durch den zunehmenden Temperaturunterschied zwischen den noch warmen südlichen Breiten und der schnell abkühlenden Arktis. Dieser Kontrast treibt die atmosphärische Zirkulation an und erzeugt kräftige Tiefdruckgebiete über dem Nordatlantik, die als Sturmtiefs nach Europa ziehen. Wer die Mechanismen versteht und sich rechtzeitig vorbereitet, kann Schäden vermeiden und sicher durch die Sturmsaison kommen.

Warum Herbststürme entstehen

Die Entstehung von Herbststürmen hängt mit der globalen Luftzirkulation zusammen. Im Herbst kühlt die Arktis rasch ab, während der Atlantik und Südeuropa noch vergleichsweise warm sind. Dieser Temperaturgegensatz verstärkt den Jetstream, ein Starkwindband in etwa zehn Kilometer Höhe, das Tiefdruckgebiete lenkt und beschleunigt. Je größer der Temperaturunterschied, desto stärker der Jetstream und desto intensiver die Sturmtiefs. Diese Tiefdruckgebiete bilden sich häufig über dem westlichen Nordatlantik und ziehen auf einer Zugbahn zwischen Island und den Britischen Inseln nach Osten. Wenn sie Mitteleuropa erreichen, bringen sie starke Winde, heftige Niederschläge und gelegentlich Sturmfluten an der Küste mit sich. Die Rotation der Tiefdruckgebiete gegen den Uhrzeigersinn sorgt dafür, dass besonders an der Süd- und Westflanke des Tiefs die stärksten Winde auftreten.

Häufigkeit und historische Stürme

In Deutschland treten pro Jahr durchschnittlich zehn bis fünfzehn Sturmtage auf, wobei der Großteil auf die Monate Oktober bis März entfällt. Norddeutschland und die Küstenregionen sind deutlich stärker betroffen als der Süden, da sie dem Atlantik näher liegen und weniger durch Gebirge geschützt sind. Zu den verheerendsten Stürmen der jüngeren Geschichte zählen Orkan Lothar im Dezember 1999 mit Böen über zweihundert Kilometern pro Stunde im Schwarzwald, der schwere Schäden in Süddeutschland und Frankreich anrichtete. Sturmtief Kyrill fegte im Januar 2007 über ganz Deutschland und verursachte Milliardenschäden. Im Februar 2020 brachte Sturmtief Sabine (international Ciara) Böen von bis zu hundertsechzig Kilometern pro Stunde und legte den Bahn- und Flugverkehr lahm. Die Orkantiefs der vergangenen Jahrzehnte zeigen, dass extreme Stürme in jeder Region auftreten können, auch in vermeintlich geschützten Lagen.

Die Beaufort-Skala verstehen

Die Beaufort-Skala teilt Windstärken in dreizehn Stufen ein, von Windstille bei Beaufort null bis zum Orkan bei Beaufort zwölf. Für den Alltag sind besonders die oberen Stufen relevant: Ab Beaufort sechs, also starkem Wind mit Geschwindigkeiten von 39 bis 49 Kilometern pro Stunde, werden dicke Äste bewegt und Regenschirme sind schwer zu halten. Beaufort acht entspricht stürmischem Wind mit 62 bis 74 Kilometern pro Stunde, bei dem Zweige brechen und das Gehen erheblich erschwert wird. Ab Beaufort zehn spricht man von einem schweren Sturm mit 89 bis 102 Kilometern pro Stunde, der Bäume entwurzeln und Dächer beschädigen kann. Beaufort elf ist ein orkanartiger Sturm mit 103 bis 117 Kilometern pro Stunde, und ab Beaufort zwölf, also Windgeschwindigkeiten über 118 Kilometern pro Stunde, herrscht Orkan mit schweren Verwüstungen. Böenspitzen liegen oft dreißig bis fünfzig Prozent über der Durchschnittswindgeschwindigkeit und verursachen die größten Schäden.

Vorbereitung auf Herbststürme

Eine gute Vorbereitung kann Sturmschäden erheblich reduzieren. Rund ums Haus sollten lose Gegenstände wie Gartenmöbel, Blumentöpfe, Mülltonnen und Sonnenschirme rechtzeitig gesichert oder in geschlossene Räume gebracht werden. Schon ein herumfliegendes Trampolin oder ein loser Dachziegel kann bei Sturmböen zu einem gefährlichen Geschoss werden. Bäume auf dem Grundstück sollten regelmäßig auf tote Äste und instabile Stämme kontrolliert werden, am besten vor Beginn der Sturmsaison. Dachziegel und Regenrinnen sollten auf festen Sitz überprüft werden. Für den Fall eines Stromausfalls ist es sinnvoll, Taschenlampen, Batterien, einen batteriebetriebenen Radio und ausreichend Trinkwasser bereitzuhalten. Die Unwetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes sollten aufmerksam verfolgt werden, idealerweise über eine Warn-App auf dem Smartphone.

Verhalten während eines Sturms

Während eines Sturms sollte man sich möglichst in geschlossenen Gebäuden aufhalten und Fenster sowie Türen geschlossen halten. Rollläden sollten heruntergelassen werden, um bei einem Fensterbruch durch herumfliegende Trümmer Schutz zu bieten. Das Betreten von Wäldern ist bei Sturm lebensgefährlich, da abbrechende Äste und umstürzende Bäume die häufigsten Todesursachen bei Stürmen sind. Autofahrten sollten vermieden werden, insbesondere auf Brücken und exponierten Strecken, wo Seitenwindböen Fahrzeuge erfassen können. Transporter und Wohnmobile sind durch ihre große Seitenfläche besonders windanfällig. Wer dennoch unterwegs sein muss, sollte die Geschwindigkeit deutlich reduzieren und beide Hände fest am Lenkrad halten. Nach dem Sturm ist Vorsicht geboten: Herabgefallene Stromleitungen können unter Spannung stehen, und beschädigte Bäume können nachträglich umstürzen.