Wetter und Wandern: Sicher unterwegs in den Bergen

Die Berge haben ihr eigenes Wetter. Was im Tal nach einem harmlosen Sommertag aussieht, kann auf dem Gipfel in wenigen Minuten in Sturm, Gewitter oder Nebel umschlagen. Jedes Jahr verunglücken in den deutschen und österreichischen Alpen Hunderte Wanderer, und Wettereinbrüche gehören zu den häufigsten Ursachen. Wer die Besonderheiten des Bergwetters kennt und sich richtig vorbereitet, kann die Berge sicher und mit Freude erleben.

Wie sich das Bergwetter von der Ebene unterscheidet

In den Bergen ändern sich die Bedingungen mit jedem Höhenmeter. Die Temperatur sinkt im Durchschnitt um sechs bis sieben Grad pro tausend Höhenmeter. Wer bei 25 Grad im Tal startet und auf einen Zweitausender steigt, findet oben möglicherweise nur noch 12 Grad vor. Dazu kommt der Wind, der auf Graten und Gipfeln deutlich stärker weht als im geschützten Tal. Die gefühlte Temperatur kann auf einem ausgesetzten Gipfel 15 Grad unter der Taltemperatur liegen. Wolken bilden sich an Bergflanken, wenn feuchte Luft zum Aufsteigen gezwungen wird und dabei abkühlt. Deshalb sind Berggipfel häufiger in Wolken gehüllt als die Umgebung, und Niederschlag fällt in den Bergen deutlich häufiger als in der Ebene. Im Alpenraum können selbst im Sommer die Niederschlagsmengen an einem einzigen Gewittertag das Monatsmittel der Ebene übertreffen.

Gewitter in den Bergen: Die größte Gefahr

Gewitter sind für Bergwanderer die gefährlichste Wettererscheinung. In den Alpen und Mittelgebirgen entstehen im Sommer häufig Wärmegewitter, die sich ab dem späten Vormittag über den Gipfeln bilden. Die typische Entwicklung beginnt mit harmlosen Quellwolken am Morgen, die im Lauf des Tages wachsen und sich zu Gewitterzellen auftürmen. Zwischen dem ersten sichtbaren Turmaufbau und dem Einsetzen von Blitz und Donner vergehen oft nur 30 bis 60 Minuten. Blitze schlagen bevorzugt in exponierte Punkte ein: Gipfelkreuze, Grate, alleinstehende Bäume und Wanderer auf freien Flächen. Der Strom kann auch durch den Boden fließen und über die sogenannte Schrittspannung Personen treffen, die gar nicht direkt getroffen wurden. Die Grundregel lautet: Bei Gewittergefahr den Gipfel bis spätestens 13 Uhr erreicht haben und den Abstieg einleiten. Wer von einem Gewitter überrascht wird, sollte exponierte Stellen sofort verlassen, in einer Mulde in die Hocke gehen und die Füße eng zusammenstellen, um die Schrittspannung zu minimieren.

Nebel und eingeschränkte Sicht

Nebel am Berg kann innerhalb von Minuten aufziehen und die Orientierung vollständig nehmen. Wegmarkierungen verschwinden, Geländekonturen werden unsichtbar, und Abgründe sind nicht mehr erkennbar. In den Hochlagen der Alpen gehört plötzlicher Nebel zum Alltag, wenn Wolken durch die Gipfelregion ziehen. Die wichtigste Vorbereitung ist eine gute Karte oder GPS-Navigation mit aufgeladenem Akku, auf die man sich bei null Sicht verlassen kann. Wer nur auf Sicht und Wegmarkierungen vertraut, gerät bei Nebel schnell in Schwierigkeiten. Im Zweifel ist es besser, an einer geschützten Stelle zu warten, bis sich der Nebel lichtet, als blind weiterzugehen. Viele Bergunfälle passieren, weil Wanderer bei schlechter Sicht vom Weg abkommen und über steiles Gelände abstürzen.

Regen, Schnee und Nässe

Regen in den Bergen ist nicht nur unangenehm, sondern kann gefährlich werden. Nasse Felsen und Wurzeln werden extrem rutschig, und Bäche schwellen nach starkem Regen rasch an. Querungen von Bachbetten, die am Morgen harmlos waren, können nach einem Gewitter reißende Ströme führen. Oberhalb von 2000 Metern kann selbst im Sommer Schnee fallen, der Wege und Markierungen verdeckt und die Absturzgefahr erhöht. Altschneefelder sind bis in den Juli hinein auf Nordhängen der Alpen anzutreffen. Sie sind hart und glatt, und ein Ausrutscher auf einem steilen Schneefeld kann ohne Steigeisen nicht gebremst werden. Dauerregen mit Temperaturen um fünf Grad ist eine der häufigsten Ursachen für Unterkühlung am Berg, weil nasse Kleidung die Isolation verliert und der Wind die Verdunstungskälte verstärkt.

Die richtige Ausrüstung für jedes Wetter

Gute Ausrüstung kann den Unterschied zwischen einem unangenehmen Erlebnis und einer lebensbedrohlichen Situation ausmachen. Eine wasser- und winddichte Jacke gehört auf jede Bergtour, auch wenn der Morgenhimmel wolkenlos ist. Funktionsunterwäsche aus Merinowolle oder Kunstfaser transportiert Feuchtigkeit nach außen und hält auch im nassen Zustand warm, im Gegensatz zu Baumwolle, die nass am Körper klebt und auskühlt. Eine leichte Daunen- oder Kunstfaserjacke wiegt wenig und schützt bei unerwarteter Kälte. Feste Wanderschuhe mit Profilsohle geben auf nassem Untergrund deutlich mehr Halt als Laufschuhe. Ein Erste-Hilfe-Set, eine Rettungsdecke und ein aufgeladenes Mobiltelefon gehören in jeden Rucksack. Wanderstöcke entlasten die Knie beim Abstieg und geben auf rutschigem Untergrund zusätzliche Stabilität. Sonnenschutz ist am Berg besonders wichtig, da die UV-Strahlung pro tausend Höhenmeter um etwa zehn Prozent zunimmt.

Die Wettervorhersage für Bergtouren nutzen

Vor jeder Bergtour sollte die Vorhersage gründlich studiert werden, und zwar nicht nur für das Tal, sondern gezielt für die Höhenlage der geplanten Route. Die Nullgradgrenze zeigt an, ab welcher Höhe Schneefall möglich ist. Die Windvorhersage für Gipfelhöhe ist wichtiger als der Talwind, da Böen auf Graten drei- bis fünfmal stärker sein können als im Tal. Die Gewitterneigung wird in Bergwetterberichten ausdrücklich genannt und sollte ernst genommen werden. Wenn ab dem frühen Nachmittag Gewitter angekündigt sind, muss die Tour so geplant werden, dass der höchste Punkt bis Mittag erreicht ist. Webcams an Berghütten und Gipfelstationen liefern aktuelle Eindrücke der Lage vor Ort. Im Zweifel gilt: Die Berge stehen morgen noch. Eine verschobene Tour ist besser als eine, die in der Bergrettung endet.